Im Schatten der Tradition

Eine Geschichte des IfS aus feministischer Perspektive
IfS Aus der Reihe 5
256 Seiten, 1 Fotos
ISBN: 978-3-86505-855-3
Erscheinungstermin: 8. März 2025

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Die Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung (IfS) wird in der Regel anhand der Biografien und Werke männlicher Protagonisten erzählt. So erscheint das Institut als Ort einer intellektuellen Tradition, in der weder Frauen noch Fragen der Geschlechterverhältnisse eine Rolle spielen. Dementgegen wirft der vorliegende Band einen dezidiert feministischen Blick auf die 100-jährige Geschichte des IfS und verdeutlicht die hartnäckige androzentrische Ausblendung der Tätigkeiten von Frauen am und im Umfeld des Instituts in seiner gängigen Geschichtsschreibung. Die versammelten Beiträge vergegenwärtigen, dass das IfS von Beginn an Frauen in die Forschung eingebunden hat und dass zu verschiedenen Zeitpunkten geschlechtertheoretische Überlegungen am Institut entwickelt wurden, die in Verbindung zu politischen Debatten standen. Zugleich zeigt die Rekonstruktion biografischer Wege ausgewählter Wissenschaftlerinnen die institutionellen Beschränkungen, mit denen Frauen bis weit ins 20. Jahrhundert in der wissenschaftlichen Arbeit konfrontiert waren. Der Band beleuchtet die ambivalenten Ein- und Ausschlüsse von Frauen sowie Modi der Arbeitsteilung und damit einhergehende (Un-)Sichtbarkeiten in der Wissenschaft im Allgemeinen und am Institut im Besonderen.

Mit Beiträgen von AK »Gender, Kinship, Sexuality«, Bruna Della Torre, Veronika Duma, Christina Engelmann, Lena Reichardt, Bea S. Ricke, Judy Slivi, Sarah Speck, Karin Stögner, Barbara Umrath und Stephan Voswinkel.

Herausgeber*innen:
Christina Engelmann [orcid], promoviert am Institut für Sozialforschung mit einer sozialphilosophischen Arbeit zur Kritik des liberalen Freiheitsbegriffs und arbeitet zu Clara Zetkin und der proletarischen Frauenbewegung an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ihre Forschungsinteressen umfassen darüber hinaus Fragen der politischen Philosophie, der materialistisch-feministischen Gesellschaftstheorie und der kritischen Bildungsforschung. Gemeinsam mit Lisa Yashodhara Haller und dem Forum kritischer Wissenschaften (FkW) hat sie den Sammelband »Materialistischer Feminismus. Gegenwartsanalysen zu Geschlecht im Kapitalismus« (2024) herausgegeben.

Lena Reichardt [orcid], ist Sozialwissenschaftlerin und promoviert am Institut für Sozialforschung mit einer Forschungsarbeit über die politische Ökonomie sozialer Reproduktion am empirischen Beispiel der Krankenpflege. Ihre Forschungsinteressen umfassen dabei Kritische Gesellschaftstheorie, feministische politische Ökonomie sowie qualitative empirische Sozialforschung. Zuletzt erschien von ihr in Band 3 von »IfS Aus der Reihe« der Beitrag »Die soziale Fabrik. Sorgearbeit und Klassenkämpfe im Krankenhaus«.

Bea S. Ricke, hat Soziale Arbeit und Soziologie in Köln und Frankfurt am Main studiert. Sie ist Doktorandin im von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Promotionskolleg »Dialektik der Teilhabe« am Institut für Sozialforschung. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit dem feministischen Betroffenheitsbegriffs, seiner Genese in der Frauen- und Geschlechterforschung der 1970er und 80er Jahre sowie seinen ambivalenten Funktionen in gegenwärtigen Diskursen.

Sarah Speck [orcid], ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung, Mitglied des Kollegiums sowie stellvertretende Direktorin des Instituts für Sozialforschung. Ihre Forschungsinteressen liegen unter anderem im Bereich des widersprüchlichen Wandels der Geschlechterverhältnisse, der sozialen Reproduktion im Gegenwartskapitalismus sowie Kritischer und feministischer Gesellschaftstheorie. Das Projekt einer feministischen Geschichtsschreibung des Instituts für Sozialforschung, aus dem dieser Band hervorgegangen ist, wurde auf ihren Vorschlag hin und unter ihrer Leitung durchgeführt.

Stephan Voswinkel [orcid], ist seit 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main, 2014 bis 2022 Mitglied des Kollegiums und seit 2022 Permanent Fellow am Institut. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Göttingen, Marburg und Duisburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Arbeits- und Organisationssoziologie und der Kritischen Gesellschaftstheorie.

Beiträger*innen:
AK »Gender, Kinship, Sexuality«: Im Arbeitskreis Gender, Kinship, Sexuality am Institut für Sozialforschung findet ein regelmäßiger Austausch über aktuelle Arbeiten im Bereich kritisch-feministischer Gesellschaftstheorie und empirischer Geschlechterforschung statt. An dem Gespräch des Arbeitskreises für diesen Band haben Christina Engelmann, Diana Fischer, Hans Goerdten, Louka Maju Goetzke, Lilian Hümmler, Cari Maier, Sarah Mühlbacher, Sarah Sandelbaum, Sophia Schorr, Sarah Speck und Andreas Streinzer teilgenommen.

Bruna Della Torre [orcid], is a scholar engaged with the intellectual traditions of the Frankfurt School, Marxist theory, feminist critique, and Latin American critical thought. A former Horkheimer Fellow at the Institut für Sozialforschung, she has taught at various universities and published extensively in journals such as »WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung«, »Rethinking Marxism«, and »Mediations: Journal of the Marxist Literary Group«. Currently, she is an affiliated researcher at the Käte Hamburger Centre for Apocalyptic and Post-Apocalyptic Studies at Heidelberg University.

Veronika Duma [orcid], ist seit 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl zur Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität Frankfurt. In ihrem aktuellen Forschungsprojekt befasst sie sich mit dem Raub an der jüdischen Bevölkerung in Europa. Nach ihrem Geschichtsstudium an der Universität Wien wurde sie mit einer geschlechterhistorischen Arbeit zu der österreichischen Überlebenden des Konzentrationslagers Ravensbrück Rosa Jochmann promoviert. Sie hat am Institut für Geschichte in Wien gearbeitet und absolvierte mit dem Marietta Blau-Stipendium des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung Studienaufenthalte in Deutschland und den USA.

Judy Slivi, ist seit 2016 Bildungsreferentin bei dem gewerkschaftsnahen Bildungsträger Arbeit und Leben Thüringen DGB/VHS. Seit 2019 ist sie mit dem Schwerpunkt historische politische Bildung unter anderem im Projekt »100 Jahre Marxistische Arbeitswoche in Geraberg/Thüringen« tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte umfassen die Thüringer Frauenbewegung und Arbeiter:innenbewegung vom 19. Jahrhundert bis Ende der NS-Zeit sowie politische und Demokratiegeschichte. Daneben engagiert sie sich im Tivoli Gotha für die Ausstellung »Arbeit und Protest – Demokratische Bewegungen in Deutschland von 1875 bis heute« (mit Unterstützung der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte).

Karin Stögner [orcid], ist Professorin für Soziologie an der Universität Passau. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in feministischer kritischer Theorie, Intersektionalität und Kritik des Antisemitismus. Sie ist unter anderem Autorin von »Antisemitismus und Sexismus. Historisch-gesellschaftliche Konstellationen« (2014), Koautorin von »Sozialwissenschaftliche Denkweisen. Eine Einführung« (2016) und Co-Herausgeberin von »Kritische Theorie und Feminismus« (2022). Demnächst erscheint der von ihr mitherausgegebene Band »Intersektionalität neu verhandelt – Kritik von Ideologie und Identität«.

Barbara Umrath, ist Soziologin und lebt in Köln. In ihrer Dissertation hat sie die Auseinandersetzungen der älteren Kritischen Theorie mit Geschlechterverhältnissen untersucht. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Soziologie und Geschlechterforschung für die Soziale Arbeit, feministische Gesellschafts- und Subjekttheorie sowie partizipative Sozial-/Praxisforschung.

  • »Ein Glücksfall eines rundum gelungenen Sammelbands.« (Sebastian Klauke, WOZ – Die Wochenzeitung, 24.04.2025)
  • »›Im Schatten der Tradition‹ ist eine längst überfällige, notwendige Ergänzung und teilweise auch Korrektur der bestehenden Forschung zur Geschichte des Instituts für Sozialforschung.« (Philipp Lenhard, sehepunkte, 15.05.2025)
  • »Dieser Band platziert die Scheinwerfer an anderen Plätzen als meist üblich. Es ist gut, wenn ein Haus ab und zu gut durchlüftet wird.« (Jörg Später, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.2025) (Bezahlschranke)
  • »Das Projekt ist rundum gelungen. Das kleine, fast schon unscheinbar daherkommende Buch mit vergleichsweise großer Schrift hat es in sich, denn die durchweg interessanten wie gut lesbaren Texte liefern einen Fundus an bisher unbekannten Informationen. Sie geben weiterführende Denkanstöße, eröffnen zahlreiche Anschlussmöglichkeiten für weitere Forschungen, warten teils sogar mit überraschenden Erkenntnissen auf, etwa hinsichtlich verschiedener Hinweise auf androzentrische Rezeptionen der im Original gegenüber feministischen Erkenntnissen offeneren Schriften. Die Impulse zum Weiterdenken und -forschen sind vielfältig.« (Heike Kahlert, Soziopolis, 02.09.2025)
  • »By tracing how intellectual labor, collaboration, and theoretical innovation were systematically pushed into the shadow of a few celebrated figures, ›Im Schatten der Tradition‹ offers more than a revisionist history. It advances a compelling case for a different mode of historiography and, implicitly, for a different future of Critical Theory – one that recognizes cooperation, mediation, and feminist critique not as supplements, but as constitutive of theory itself.« (Lilia Endter, Francia-Recensio, 01.04.2026)