I Shall Be Free No. 10

Bob Dylans Songphilosophie
Dylanology. Texte und Materialien zum Gesamtkunstwerk Bob Dylan 1
136 Seiten, 25 Fotos
Taschenbuch, Fadenheftung, 12 x 17 cm
ISBN: 978-3-86505-351-0
Erscheinungstermin: 23. Februar 2023

14,00 

Vermutlich hat kein Songwriter des 20. und 21. Jahrhunderts bei Intellektuellen und Philosophen so viel Aufmerksamkeit erregt wie Bob Dylan. Obwohl er im engen Sinne weder ein Intellektueller noch ein Philosoph ist, kann man durchaus von einer Dylan’schen Songphilosophie sprechen. Jenseits der strikten Gepflogenheiten und Begrenzungen des modernen philosophischen Diskurses nimmt der Künstler sich dieselben Freiheiten, die auch die antiken Philosophen besessen haben: unbedingte Subjektivität statt Systemzwang, Feier des Augenblicks und das Freisetzen einer Vielfalt von Blicken auf die Welt und das eigene Ich. Dylans Lebenswerk beweist, dass in Songs alles behandelt und erfahrbar gemacht werden kann, was existiert. Die Meilensteine seiner avantgardistischen Folk- und Rockmusik – heute global rezipierte Klassiker – sind darum nicht weniger als »Geschichtszeichen«.
Das Buch unterteilt Dylans Songphilosophie in sechs Stadien und sucht so die unterschiedlichen Dimensionen seiner Welterkundungen zu fassen: die politisch-soziale Frühphase, die Erschließung der populären Musik für die avancierte Kunst der Moderne, die Öffnung seines Werkes für die Vielfalt anschlussfähiger Traditionen, die Hinwendung zu Religion und Transzendenz, nach dem Erwachen dann der Absturz in Orientierungslosigkeit und Krise. Als letztes Stadium seiner Odyssee auf der Suche nach Sinn, Wahrheit und Erlösung lässt sich das große Spätwerk begreifen, in dem der Endzeitpilger Bilanz zieht. Im Epilog des dichten Bandes wird Dylans Philosophie des modernen Songs als besonderer Modus eines anderen, »wilden« Denkens verstanden, das auch im 21. Jahrhundert relevant bleibt. Als unverzichtbares Korrektiv.
Alle Stadien von Dylans Songwriting sind dabei vereint durch den Versuch der Befreiung. Denn Freiheit ist für ihn – um ein Denkmuster Hegels aufzugreifen – zunächst und immer auch negative Freiheit, niemals ein Zustand, sondern ein dauernder Kampf. – »Es ist erstaunlich, wie viel Relevantes Dylan einem philosophisch geschulten Frager zu sagen hat. Und es ist vorbildlich, wie genau und umsichtig der Autor ihn befragt.« (Heinrich Detering)

Rüdiger Dannemann, geb. 1949 in Düsseldorf, ist Philosoph, Autor, Publizist und einer der besten Kenner des Dylan’schen Werkes in Deutschland. Er studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte in Bochum und Frankfurt/Main, promovierte in Rotterdam mit »Das Prinzip Verdinglichung« und ist Vorsitzender der Internationalen Georg-Lukács-Gesellschaft. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Sozialphilosophie und politischen Philosophie, speziell zu Lukács, dem Westlichen Marxismus und der Kritischen Theorie, sowie zu literaturwissenschaftlichen und musikästhetischen Themen. Und besonders zu Bob Dylan. 

Über Dylan kontinuierlich Veröffentlichungen seit den 1990er-Jahren, z.B. in »links« (»Die Linke und die Utopie einer populären Kunst«, Mai 1991), in »Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte« (»Bob Dylan und der Nobelpreis. Ein Lehrstück«, 1-2/2017) sowie im »Freitag« (seit 2001, z.B. »Bob Dylan von A bis Z: Modernes Mysterienspiel eines Gesamtkunstwerkers«, 24.5.2016). Buchbeiträge in Michael Gray u.a.: »Bob Dylan. Fünfzig Jahre«. Germinal: Fernwald 1993; in Sammelbänden: »Maskenspiele der Freiheit. Songwriting zwischen Folk, Rockavantgarde, Literatur und Philosophie«. In: Axel Honneth / Peter Kemper/ Richard Klein (Hg.): »Bob Dylan. Ein Kongress«. Suhrkamp: Frankfurt a.M. 2007; und »Transzendente Immanenz oder Bob Dylans Reise in die ›Highlands‹. In: Knut Wenzel (Hg.): »Code of the Road. Dylan interpretiert«. Reclam: Stuttgart 2013. Zusammen mit Ulrich Dannemann: »Bob Dylan und die Utopie der Befreiung« (1991).

  • »Der Autor ist Philosoph, und in dem im Buchtitel angedeuteten Wort Befreiung sieht er ein Leitmotiv im Werk von Bob Dylan. Dannemann nimmt sich das gesamte veröffentlichte Werk Dylans vor, vor allem seine Songs unterzieht er einer großen philosophischen Analyse. Dass er Dylan selbst als ›Antiphilosophen‹ versteht, als einen, der seine Überlegungen eher als ›philosopher pirat‹ zusammenklaubt, macht die Forschung umso reizvoller. […]  ein unglaublich gebildetes Werk.« (Martin Krauss, taz, 30.7.2026)
  • »Nicht im Sinne einer akademischen Abhandlung, eher gemäß Dylans philosophierender Reise über Erfahrungshorizonte hinweg sieht Dannemann seinen Weg durch das unerschöpfliche Werk, das er in sechs existenziellen Stadien durchschreitet von der frühen Welterfahrung über die Selbstfindung in der Tradition, den Weg in die Trans­zendenz, den Absturz in die Leere bis zur Suche nach Erlösung und Freiheit im Spätwerk – Welterkundungen entlang eines gewaltigen Songkosmos.« (Michael Wackerbauer, neue musikzeitung, 05/2026)
  • »Eine Zusammenfassung von Dylans Werk ist prinzipiell schon einmal eine schwierige Aufgabe. Hier hat Dannemann aber sechs wirklich distinktive Abschnitte finden können und sich dabei am Begriff der Stadien nach Kierkegaard bedient. […] Mir als Musikwissenschaftler und Bob Dylan-Fan haben diese Schreibweise und Darstellung Dylans dabei sehr zugesagt. Die geistesgeschichtliche Portraitierung Dylans ist Dannemann in diesem Buch so gut gelungen wie in kaum einem anderen Dylanbuch. […] Schließlich endet Dannemann mit einer für mich wunderschönen und präzise formulierten Diagnose von Dylans Hörerschaft. […] Für mich ist Rüdiger Dannemanns Buch ein Buch, das nötig war. So eine kurze und gut destillierte Betrachtung der Philosophie in Dylans Werk ist kein leichtes Unterfangen und auch eben eine Seltenheit. Es erinnert mich vom Schreibstil ein wenig an die Dylan-Werke von Heinrich Detering und hat eine Art, auch neue Dylan-Fans anzusprechen. Das wirklich Überzeugende ist für mich dabei eben die Grundlage von Bob Dylans Werk als Versuch des Befreiungsschlags. […] Das Buch ist im schönen Taschenformat und bietet einen guten Überblick, wirkt nicht abgehoben und bringt neue Erkenntnisse. Das kleine, etwas größenwahnsinnige Buch kann sich also in den Bücherregalen der deutschen Dylan-Bücher einen guten Platz schaffen, den es dort auch sicher noch lange behalten wird.« (Richard Limbert, Keywestmagazin, 13.6.2026)
  • »Der Autor ist Philosoph und unter anderem Vorsitzender der Georg-Lukács-Gesellschaft. Logisch, dass er dann über Bob Dylans Songphilosophie schreibt. Aber wie er das macht, ist alles andere als rein akademisch oder wissenschaftlich vertrackt. Im Gegenteil: Selten war die Lektüre eines Buches über Bob Dylan so kurzweilig und anregend wie bei Rüdiger Dannemann. Auf engstem Raum, gerade einmal 136 Seiten, schafft er es, einen roten Faden in Dylans Werk zu finden und vor uns aufzuschnüren. […]  Besonders wertvoll, wie Dannemann deutlich macht, dass Dylan keine Protestsongs mehr zu schreiben braucht. Seine lyrischen Songideen, seine Bilder, seine Gedanken sind immer Gegenwelten der Freiheit und damit ein absolutes Kontrastprogramm zur MAGA-Tyrannei. Bob Dylans ›wildes Denken‹ (Dannemann) ist daher auch im 21. Jahrhundert unverändert relevant. Und so beflügelt Dannemann durch neue Einblicke und spannende Bewertungen selbst alte Dylan-Hasen. Ein neuer Blick auf das Werk des Meisters lohnt sich immer und immer wieder. Einer der besten Beiträge zu Dylan der letzten Jahre.« (Thomas Waldherr, folker, 5.7.2026)
  • »Dannemanns Buch verspricht eine spannende Lektüre und ist eine der interessantesten Veröffentlichungen zu Dylan in deutscher Sprache der letzten Jahre. Ein Buch, das abseits der ausgetrampelten Biographie-Wege neue, interessante Denkanstöße für die Beschäftigung mit Dylan bietet.« (Thomas Waldherr, Keywestmagazin, April 2026)