Handeln in einer schlechten Welt

Zur Kritik im Handgemenge
IfS Aus der Reihe 3
248 Seiten
ISBN: 978-3-86505-853-9
Erscheinungstermin: 15. November 2024

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Die gesellschaftlichen Verhältnisse als unhaltbar auszuweisen, gehört seit eh und je zum guten Ton der Kritischen Theorie. Dass sie deswegen ein unproblematisches Verhältnis zur praktischen Gesellschaftskritik hätte, wird man allerdings nicht behaupten können. Die vielfältigen Orte der Kritik an den Verhältnissen – eben nicht nur in der Akademie, sondern auch im Alltag, auf der Arbeit, als Aktivismus – machen der wissenschaftlichen Kritikproduktion durchaus zu schaffen. Indem dieses Buch einige außerakademische Orte gesellschaftskritischer Praxis besucht, stellt es sich der Frage, wo und wie sich Theorie und Praxis wechselseitig stärken können. Für kritische Gesellschaftstheorie im Handgemenge bedeutet das, beweglich zu bleiben und sich von der Praxis der Kritik inspirieren und irritieren zu lassen. So schonungslos sich Kritische Theorie gegenüber den gesellschaftlichen Verhältnissen zeigt, so ungeschützt müsste sie sich auch einer praktisch gewordenen Kritik stellen. Im Wissen darum, dass letztlich beide das Gleiche wollen: dass es anders wird.

Mit Beiträgen von Ina Braune, Mirko Broll, End Fossil: Occupy! Frankfurt, Christina Engelmann, Eva Fleischmann, Sabine Flick, Lisa Yashodhara Haller, Alexander Herold, Janina Hirth, Alexander Kern, Geoffroy de Lagasnerie, Martin Lechner, Stephan Lessenich, Robin Mohan, Janina Puder, Lena Reichardt, Sarah Speck, Jenny Stupka

Herausgeber*innen:
Mirko Broll [orcid], ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent für Öffentlichkeitsarbeit am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Seine Dissertation, die im Beltz Verlag erschienen ist, befasst sich mit der solidarischen Gesundheitsversorgung in Griechenland in Zeiten der Austerität. Er forscht gegenwärtig zu globalen sozialen Ungleichheiten sowie zu einer kritischen Theorie des Tourismus.

Eva Fleischmann [orcid], ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Referentin für Veranstaltungsorganisation am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Ihre Dissertation ist im Beltz Verlag erschienen und analysiert das zivilgesellschaftliche Phänomen der ›Willkommenskultur‹ im Jahr 2015 in München. Ihre Forschungsinteressen umfassen Fragen der Migrationssoziologie und der sozialen Ungleichheit.

Beiträger*innen:
Ina Braune [orcid]
, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt »Psychotherapeutische Behandlung arbeitsbezogenen Leidens in Deutschland« am Institut für Sozialforschung. Sie studierte Psychologie und Soziologie in Jena und Frankfurt am Main und promoviert zur Bedeutung von Geschlecht in (sorge-)arbeitsbezogenen Handlungsorientierungen psychotherapeutischer Fachkräfte. Zu ihren Forschungsinteressen gehören feministische Theorien, Wissenssoziologie und Methoden qualitativer Sozialforschung.

Christina Engelmann [orcid], promoviert am Institut für Sozialforschung mit einer sozialphilosophischen Arbeit zur »Freiheit des Kapitals« und arbeitet zu Clara Zetkin und der proletarischen Frauenbewegung an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie hat Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaft und Germanistik in Frankfurt am Main und an der Université Paris IV-Sorbonne studiert.

Sabine Flick [orcid], studierte Soziologie, Politologie und Psychoanalyse in Frankfurt am Main. Nach ihrer Promotion 2012 an der Goethe-Universität Frankfurt lehrte und forschte sie an verschiedenen Instituten in Deutschland, Israel, Österreich und in den USA, unter anderem an der University of California, Berkeley, der Tel Aviv University und der Universität Graz. Inzwischen ist sie Professorin für Allgemeine Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Sie ist Mitglied bei medico international und am Institut für Sozialforschung.

Anton Fromageot, studiert Politische Theorie an der Goethe-Universität Frankfurt mit einem Schwerpunkt auf kritischer Migrationsforschung und internationaler politischer Ökonomie. Dazu ist er in der Klimagerechtigkeitsbewegung sowie zum Zusammenhang von Rassismus und Wohnungslosigkeit politisch aktiv.

Lukas Geisler [orcid], studiert Politische Theorie an der Goethe-Universität Frankfurt. Er ist Mitherausgeber des Sammelbandes »Organisierte Halbbildung. Studieren 25 Jahre nach der Bologna-Reform« und veröffentlicht unter anderem in »nd.DieWoche«, der »Frankfurter Rundschau« und in der Zeitschrift »LuXemburg. Gesellschaftsanalyse und linke Praxis«. Bei »End Fossil: Occupy!« und dem Kollektiv »Die Druckerei für Alle!« ist er für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Gianna Gumgowski, studiert Politische Theorie an der Goethe-Universität Frankfurt mit einem Schwerpunkt auf (Post-)Operaistische Theorien, kritische Migrationsforschung und Neuen Materialismus. In Frankfurt ist sie aktivistisch an politischen Auseinandersetzungen für eine klimagerechte, soziale und selbstverwaltete Gestaltung der Stadt beteiligt.

Lisa Yashodhara Haller [orcid], studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der Philipps-Universität Marburg. Sie wurde an der Universität Kassel zur Frage nach staatlichen Einflussfaktoren auf die Arbeitsteilung junger Eltern promoviert. Aktuell befasst sie sich mit den Vermittlungszusammenhängen zwischen der staatlichen Steuerung der kapitalistischen Wirtschaft und vermeintlich privaten Entscheidungen des Alltags. Als Autorin schreibt sie rund um das Thema Elternschaft, Kapitalismus, Sozialpolitik und Feminismus.

Alexander Herold [orcid], studierte Soziologie und Politikwissenschaft in Frankfurt am Main, Marburg und Madrid. Er ist Mitarbeiter im DFG-Projekt »Psychotherapeutische Behandlung arbeitsbezogenen Leidens in Deutschland« am Institut für Sozialforschung. In seiner Promotion fokussiert er auf die Deutungen und Normierungen von Klasse durch die Behandler:innen in psychosomatischen Kliniken.

Janina Hirth, ist Politikwissenschaftlerin und Arbeitssoziologin. Sie arbeitet am Referat Chancengleichheit und Diversity an der Frankfurt University of Applied Sciences. Bei »tie« ist sie vor allem aktiv im ExChains-Netzwerk und in der europäischen Vernetzung von gewerkschaftlichen Akteuren.

Alexander Kern, promoviert am Institut für Sozialforschung und an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Am Fall der spanischen Exklave Melilla forscht er qualitativ und ethnografisch zur Produktion sozialer Ungleichheit. Zuvor studierte er Philosophie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main und an der University of Toronto.

Geoffroy de Lagasnerie, ist Philosoph und Soziologe und lehrt als Professor an der École nationale supérieure d’arts de Cergy-Pontoise. Er meldet sich regelmäßig politische Fragen betreffend in der französischen Öffentlichkeit zu Wort.

Martin Lechner [orcid], ist gelernter Informatiker und studierte Politische Theorie an der Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt. Er koordiniert bei »tie« das internationale Wein-Netzwerk von Beschäftigten in der südafrikanischen Agrarindustrie und im Lebensmittelhandel.

Stephan Lessenich [orcid], ist Professor für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung an der Goethe-Universität und Direktor des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Seine jüngste Buchveröffentlichung »Nicht mehr normal. Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs« erschien 2022 bei Hanser Berlin.

Robin Mohan [orcid], ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung und arbeitet dort an dem Forschungsprojekt »Krankenhauspflege im gesellschaftlichen Wandel. Organisationale Dynamiken der Auf- und Abwertung einer Care-Arbeit«. 2018 promovierte er an der Goethe-Universität Frankfurt mit der bei transcript erschienenen soziologischen Arbeit »Die Ökonomisierung des Krankenhauses. Eine Studie über den Wandel pflegerischer Arbeit«.

Janina Puder [orcid], ist Soziologin und promovierte zur Überausbeutung migrantischer Arbeitskräfte in der südostasiatischen Palmölindustrie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und forschte unter anderem in Argentinien, Indonesien und Malaysia. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie an den Universitäten in Jena und Duisburg tätig. Aktuell forscht sie an der Universität Kassel zu Ökologie, Arbeit und Migration. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem Kapitalismus- und Klassentheorie, Arbeit und Ökologie sowie sozial-ökologische Transformation und Arbeitsmigration.

Lena Reichardt [orcid], studierte Sozialwissenschaften, insbesondere Soziologie, psychoanalytisch fundierte Sozialpsychologie und Politikwissenschaften in Hannover sowie Gesellschaftstheorie in Jena. Seit Dezember 2021 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Dabei liegen ihre Forschungsinteressen auf Kritischer Gesellschaftstheorie und der politischen Ökonomie von Sorge(-Arbeit).

Sarah Speck [orcid], ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung an der Goethe-Universität sowie Mitglied des Kollegiums und stellvertretende Direktorin des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Derzeit befasst sie sich unter anderem mit dem Wirken von Frauen am IfS und ist Mitherausgeberin des demnächst in »IfS Aus der Reihe« erscheinenden fünften Bandes »Im Schatten der Tradition. Eine Geschichte des IfS aus feministischer Perspektive.«

Jenny Stupka, promoviert an der Freien Universität Berlin zu einer politischen Kritik privaten Eigentums. Sie beschäftigt sich dafür unter anderem mit Ontologie und Ästhetik von Widerständen gegen Privateigentum. Sie ist seit 2017 Mitglied der Initiative »Deutsche Wohnen & Co enteignen« und arbeitet dort in der Öffentlichkeitsarbeit.